Skip to main content

Editorial

Politisches Beben in Europa ohne Börsenbezug

Dass politische Börsen kurze Beine haben, ist aus der Geschichte bekannt. Doch auch kurze Beine können empfindlich sein. Die aktuelle Korrektur an den Weltbörsen und auch deutlich spürbar hierzulande, hat nichts mit der großen Politik im Speziellen zu tun. Im Allgemeinen schon, denn die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ändern sich seit geraumer Zeit in einem atemberaubenden Tempo. In meinen Augen ist das größte Problem dabei nicht die Machtachsenverschiebung (hin zu China, weg von Europa) oder die heterogenen Ziele der großen Blöcke - nein, es ist die weitgehende Teilnahmslosigkeit auf dem alten Kontinent, auf dem wir hier so schön leben.

Hiesige Wahlen etwa werden durch die Abwahl von mit sich selbst beschäftigter Volksparteien geprägt. Spaßensemble wie Die Partei (eine Satire-Truppe) oder die 5-Sterne-Bewegung in Italien als auch die Wahl eines Ex-Schauspielers zum Präsidenten der Ukraine tragen Züge einer Realsatire in sich. Und was machen die Führungs-Eliten dagegen? Wenig, wenn ich mir die Kanzlerabwahl in Österreich anschaue oder das jüngste, politische Affentheater in Berlin. In Deutschland steht eine handfeste Regierungskrise vor der Tür, und wenn sich nicht vor den kommenden Landtagswahlen im Osten etwas ändert, wird das Wahlvolk dort etwas ändern, das liegt auf der Hand. Was machen internationale Investoren daraus?  Meiden diese, denen mehr als 60 % vom DAX gehören, nun das Land? Mittelfristig schon, denn die Rahmenbedingungen für Zukunftsinvestitionen sind hierzulande in Schieflage geraten. Die Börse hat das längst begriffen, in der Politik ist diese Erkenntnis offenbar noch vergraben unter dem Parteienapparat.

Musterdepot 2019: Plus 7 %

Mit einem Plus von mehr als 7 % seit Jahresanfang können wir in einem herausfordernden Umfeld weitgehend zufrieden sein. Der DAX notiert seit Jahresbeginn mit 8.5 % im Plus und die Indizes MDAX und SDAX bringen es sogar auf ein Plus von jeweils mehr als 12 %. Der TecDAX bewegt sich mit über 7 % ebenfalls in positivem Terrain. Unsere Performance im Musterdepot hinkt derzeit den Indizes etwas hinterher. Dafür waren wir im Jahr 2018 immerhin mit über 5 % im Plus, während DAX & Co. bekanntlich zweistellig eingebrochen sind. Grund unserer zurückhaltenden Performance in diesem Jahr ist schlicht, dass wir mit einer derart deutlichen Erholung im DAX nicht gerechnet haben und insgesamt zu vorsichtig positioniert waren.

Das Vorstandswoche-Musterdepot achtet sehr stark auf eine solide Performance bei überschaubaren Risiken. Dennoch ist es unser Ziel, in jedem Jahr eine zweistellige Rendite einzufahren. Das ist zweifelsfrei nicht ganz einfach; aber durchaus machbar, wie Sie anhand der Performance seit 2015 leicht erkennen können. Oberste Priorität hat für uns, in keine Gewinnwarnung hineinzumarschieren oder in einen schlechten Ausblick. Im aktuellen Umfeld verhindert dies eine überproportionale Performance, da viele Unternehmen vor allem beim Ausblick ihre Aktionäre enttäuschen. Stichwort Ausblick: Zahlreiche Unternehmen haben ihre Zahlen für 2018 inzwischen veröffentlicht und einen Ausblick für 2019 gegeben. Uns missfallen zahlreiche Daten aus der Industrie, die auf ein sehr schwaches Q1 hindeuten. Das Risiko bei größeren Engagements liegt nun darin, dass viele Unternehmen auf Basis der Q1-Zahlen ihren Ausblick erneut anpassen müssen. Das wäre im DAX ganz sicher nicht eingepreist. Somit wundern wir uns auch nicht wirklich, dass sich die Indizes derzeit schwertun, weiter nach oben zu klettern.

Wir fühlen uns mit allen unseren Musterdepotwerten weitgehend wohl. Bei Consus wollen wir in eine Erholung hinein den Ausstieg versuchen. TUI schauen wir uns noch etwas an; sollte die Aktie nicht zügig drehen, werden wir hier den moderaten Verlust akzeptieren. Das größte operative Risiko sehen wir in der Entwicklung der JDC Group, die auf der Zahlenseite nicht immer prognosesicher ist. Hier spielen wir aber eine Sondersituation, da sich der Markt für JDC in einer Konsolidierung befindet. Neu im Depot ist die pferdewetten.de AG. Das Unternehmen entwickelt sich großartig und bewegt sich frei von konjunkturellen Risiken.