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Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Chemnitz – das mediale Nullum an den Märkten

Über das Nichts muss ich eigentlich nichts schreiben, doch ist das Nichts in Gestalt der Zahl Null einer der Grundpfeiler der Mathematik – denn ohne die Null als inhaltliche Zahl wäre unser Rechensystem nicht da, wo es heute ist.

Und ein Nullum ist auch an den Kapitalmärkten ein wichtiger Grundpfeiler in der Bewertung der Lage und Zukunftsaussichten von Wertpapieren. Nehmen wir das Beispiel Chemnitz und die in Wallung geratene Seele der Gesinnungsethiker sowie der gesamten „Schmuse- und Betroffenheitsindustrie“. Man könnte meinen, ein Bauern-Aufstand stehe bevor oder in Sachsen brenne die Luft. Bei Lichte und faktenbasiert betrachtet sind in einer mittelgroßen deutschen Stadt von rund 250 000 Einwohnern weniger als 5 % der dortigen Bevölkerung auf den Beinen gewesen, auswärtige mal der Einfachheit halber außen vor gelassen. Die transportierten Inhalte der auf den Straßen sichtbaren Menschen haben für sich genommen was für sich, müssen aber nicht von der Gesamtheit aller in Chemnitz, Sachsen und Deutschland lebenden Menschen geteilt werden.

 

Der Diskurs gehört zur Demokratie wie die Null zur Mathematik. Und so bin ich gottfroh, dass die Börse sich von dieser lokalen Thematik nicht anstecken lässt und der medial vermeintlich ablaufende Aufstand und das Sachsen-Chaos eine recht exklusive Meinung weniger Beobachter ist. Leider werden durch solche Ereignisse und mediale Gewichtungen wichtige wirtschaftspolitische Themen verdrängt. Oder sind Themen wie das Einfrieren der Rentenhöhe (also Steuererhöhungen garantiert notwendig), die marode Infrastruktur oder eine Justiz, die sich anschickt, die deutsche Autoindustrie in Grund und Boden zu rammen, nicht Themen, die es medial auch wert wären, ausgiebig diskutiert und betrachtet zu werden?

Musterdepot 2018: Plus 18 %

Unser Musterdepot hat in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch geknackt. Seit Jahresanfang beträgt das Kursplus nun starke 19 %. Unser Jahresziel von rund 20 % liegt in greifbarer Nähe. In einem äußerst herausfordernden Umfeld ist die Entwicklung in diesem Jahr sensationell. Der DAX liegt seit Jahresanfang deutlich im Minus. Lediglich der TecDAX läuft in diesem Jahr prächtig. Allerdings hat der Technologieindex die stramme Entwicklung vor allem der Aktie von Wirecard zu verdanken, die den Index massiv nach oben treibt. Am vergangenen Freitag präsentierte ISRA-CEO Enis Ersü wie gewohnt ein sehr solides Zahlenwerk. Die Aktie verteuerte sich um rund 10 % und markierte mit Kursen von gut 60 Euro ein neues Rekordhoch. Nach 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2017/2018 expandierte der Umsatz um 10 % auf gut 103 Mio. Euro. Der Gewinn vor Steuern schnellte um 13 % auf über 20 Mio. Euro nach oben. Das entspricht einer EBT-Marge von 20 %. Der Auftragsbestand signalisiert, dass das Wachstum ungebrochen ist, er erhöhte sich zum Stichtag von 83 auf 90 Mio. Euro. Ersü bekräftigte in einer Telefonkonferenz die Ziele für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll – bei EBT-Margen von ca. 20 % – zweistellig wachsen. Mittelfristig soll der Umsatz die Marke von 200 Mio. Euro erreichen. Die ISRA-Aktie ist zweifelsfrei alles andere als ein Schnäppchen. Wir halten an unserer Restposition dennoch fest. Investoren lieben waschechte, hoch profitable Wachstumsunternehmen und bezahlen dafür offenbar auch entsprechend hohe Preise. Kommt wieder richtiges Momentum in die Aktie, kann die Rally kräftig weitergehen.

Wir haben nunmehr unseren Barbestand nochmals ausgebaut. Aktuell liegen wir bei einer Liquidität von rund 50 %. Damit fühlen wir uns sehr wohl. Der September ist historisch betrachtet ein relativ gefährlicher Monat. Wir sind allerdings handlungsbereit, wenn sich deutliche Chancen ergeben. Aktuell ist uns aber das gesamte Umfeld zu riskant. Geduld ist an der Börse eine sehr wichtige Tugend. Unsere nachgekauften Consus-Aktien in Höhe von 1 287 Anteilen wurden zu 8.80 Euro verkauft. Den ursprünglichen Bestand wollen wir erst einmal behalten. Ebenfalls verkauft wurden alle Anteile der Fabasoft AG. Unser reduziertes Verkaufslimit von 13.60 Euro hat gegriffen. Die Q1 Zahlen haben uns nicht wirklich überzeugt, bei einem Börsenwert von über 150 Mio. Euro, müssen die Zahlen stärker sein. Mindbreeze entwickelt sich toll; das Kerngeschäft ist uns zu lahm. Die Aktie bleibt aber auf unserer Watchlist.

Auch bei TAG kein Turmbau zu Babel

Die TAG Immobilien-Aktie gehört zu den Aktien, die wir hier früh entdeckt, besprochen und begleitet haben. Das Unternehmen hat eine beeindruckende Entwicklung gezeigt, die nach den jüngsten wiederholt positiven Zahlen per Juni 2018 mit 21.20 Euro in ein Allzeithoch mündeten, auf dem es nun langsam eng wird mit der Bewertungsseite. Satte 3.1 Mrd. Euro Börsenwert stehen bei TAG zu Buche, allein binnen der vergangenen 52 Wochen sind somit 51 % Wertzuwachs zu verzeichnen gewesen. Auf 5 Jahre (139 %) und 10 Jahre (363 %) sehen die Kursgewinnzuwächse noch beeindruckender aus. Kurzum, der Wohnimmobilienkonzern hat verdammt viel richtig gemacht und die goldene Immobilienphase für sich und seine Eigentümer ordentlich genutzt. Doch was zählt die Vergangenheit in einem Geschäft, wo die Zukunft gehandelt wird? An der Börse nur noch bedingt etwas – insoweit stellt sich die Frage: wo soll bei einer optimierten Finanzierungsstruktur mit sehr niedrigen Zinsaufwendungen und einem nach Investitionen rufenden Bestand (der nur so werthaltiger zu bekommen ist) der nächste Gewinnschub herkommen? Steigende Gewinne sind der Treibstoff für steigende Kurse und dieses Kraftmittel sehen wir in der TAG-Bilanz abnehmen. Auffällig ist, dass zudem einige Banken wie etwa die Deutsche Bank und MM Warburg den TAG-Kurs schon ausgereizt ansehen und nicht mehr wie sonst üblich, ins Kaufhorn blasen. Wir finden, dass der Check-Out bei TAG erreicht ist und empfehlendvorhandene Bestände zu verkaufen. Das absolute Top-Niveau vor einer Korrektur timen zu wollen, ist `ne schöne Idee, aber nur wenig praktikabel