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Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Der Friedrich und der DAX

Zur Kanzlerdämmerung hatten wir an dieser Stelle am 15.10.2018 berichtet. Nun kam, was kommen musste - Angela Merkel bereitet sich auf ihre letzte Reise zu einem Platz in den Geschichtsbüchern vor. Für unser Land kann Bewegung und Ordnung an der Spitze nur belebend sein. Einen Vitaminstoß verabreichte Angela der Börse durch ihre Rückzugsankündigung allemal, DAX und Co. konnten nach der harten Korrektur der Vorwochen merklich an Boden gutmachen. Ob das nachhaltig sein wird, bleibt mal dahingestellt, denn das gesamteuropäische Bild wird durch den Merkel-Abgang nicht besser, galt sie doch als der (für Deutschland finanziell teure) Kit in der Europäischen Union. In dieser EU  brodelt es ohnehin mächtig. Der Brexit immer noch nicht durchverhandelt, Italien wankt zumindest formell ganz ordentlich (Haushaltsstreit mit der EU-Kommission), die Zinsen können nicht ewig so tief bleiben, die EZB reduziert die Anleihekäufe wie geplant und entzieht dem Markt Liquidität – Argumente, die Auslandsinvestoren nicht gerade in Scharen in den Euro-Raum locken. Also bei aller Freude ob der Kurse, immer an die Gewinnsicherung denken.

Zurück zur Vitaminspritze. Friedrich Merz als Kandidat für den CDU-Vorsitz – das beherrschende Thema in Medien und im Volke. Auch ich finde den Sauerländer gut und hege Hoffnungen. Doch ist Merz keine Heilsfigur, konservativ und wirtschaftserfahren ja, regierungserfahren nein. Vor seinem selbst gewählten Rücktritt vor mehr als 10 Jahren fast schon ein Zauderer. Überzeugungen hat der Friedrich, doch wird er zum Überzeugungstäter?  Schnappt er sich den CDU-Vorsitz und dann das Kanzleramt mit der Mission, die nächsten Wahlen im Bund zu gewinnen? Eine der spannendsten politischen Fragen derzeit, und auch für die Aktienbörse wichtig, denn ein einmaliger Vitaminstoß reicht uns schlicht nicht, um wieder in den Aufwärtstrend in DAX und Konsorten zurückzukehren.

Musterdepot 2018: Plus 18 %

Unser Musterdepot hat in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch geknackt. Seit Jahresanfang beträgt das Kursplus nun starke 19 %. Unser Jahresziel von rund 20 % liegt in greifbarer Nähe. In einem äußerst herausfordernden Umfeld ist die Entwicklung in diesem Jahr sensationell. Der DAX liegt seit Jahresanfang deutlich im Minus. Lediglich der TecDAX läuft in diesem Jahr prächtig. Allerdings hat der Technologieindex die stramme Entwicklung vor allem der Aktie von Wirecard zu verdanken, die den Index massiv nach oben treibt. Am vergangenen Freitag präsentierte ISRA-CEO Enis Ersü wie gewohnt ein sehr solides Zahlenwerk. Die Aktie verteuerte sich um rund 10 % und markierte mit Kursen von gut 60 Euro ein neues Rekordhoch. Nach 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2017/2018 expandierte der Umsatz um 10 % auf gut 103 Mio. Euro. Der Gewinn vor Steuern schnellte um 13 % auf über 20 Mio. Euro nach oben. Das entspricht einer EBT-Marge von 20 %. Der Auftragsbestand signalisiert, dass das Wachstum ungebrochen ist, er erhöhte sich zum Stichtag von 83 auf 90 Mio. Euro. Ersü bekräftigte in einer Telefonkonferenz die Ziele für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll – bei EBT-Margen von ca. 20 % – zweistellig wachsen. Mittelfristig soll der Umsatz die Marke von 200 Mio. Euro erreichen. Die ISRA-Aktie ist zweifelsfrei alles andere als ein Schnäppchen. Wir halten an unserer Restposition dennoch fest. Investoren lieben waschechte, hoch profitable Wachstumsunternehmen und bezahlen dafür offenbar auch entsprechend hohe Preise. Kommt wieder richtiges Momentum in die Aktie, kann die Rally kräftig weitergehen.

Wir haben nunmehr unseren Barbestand nochmals ausgebaut. Aktuell liegen wir bei einer Liquidität von rund 50 %. Damit fühlen wir uns sehr wohl. Der September ist historisch betrachtet ein relativ gefährlicher Monat. Wir sind allerdings handlungsbereit, wenn sich deutliche Chancen ergeben. Aktuell ist uns aber das gesamte Umfeld zu riskant. Geduld ist an der Börse eine sehr wichtige Tugend. Unsere nachgekauften Consus-Aktien in Höhe von 1 287 Anteilen wurden zu 8.80 Euro verkauft. Den ursprünglichen Bestand wollen wir erst einmal behalten. Ebenfalls verkauft wurden alle Anteile der Fabasoft AG. Unser reduziertes Verkaufslimit von 13.60 Euro hat gegriffen. Die Q1 Zahlen haben uns nicht wirklich überzeugt, bei einem Börsenwert von über 150 Mio. Euro, müssen die Zahlen stärker sein. Mindbreeze entwickelt sich toll; das Kerngeschäft ist uns zu lahm. Die Aktie bleibt aber auf unserer Watchlist.