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Editorial

Volker Glaser,
Chefredakteur

Bankenfiasko nennt sich nun  wohl „DeuComm“

Was am Finanzplatz in Frankfurt abgeht, spottet bei Lichte und mit Abstand betrachtet jeder Beschreibung. Da siechen Commerzbank und Deutsche Bank seit Jahren operativ vor sich hin, während ihre Banken-Pendants aus Frankreich, UK und den USA Rekordgewinne schreiben, die Börsenwerte steigen. Klar, Aktien- und Anleihemärkte haussieren im 9. Jahr, die Dealmaschinen im Geschäftskundensektor laufen – außer eben bei vorgenannten Häusern. Diese beschäftigen sich vor allem mit sich selbst. Der Deutschen Bank kann man allenfalls zu Gute halten, dass sich die aggressive US-Justiz ständig auf Raubzug befindet und auch die hiesigen Behörden wohl lieber bei den „Blauen“ reinschauen als bei manch anderem Schmutzfink. Zum Unglück kommt dann auch noch Pech dazu.

Dass ich den selbstgefälligen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, einen Österreicher namens Paul Achleitner, ob seiner vielen Fehler nicht sonderlich gut finde, liegt auf der Hand. Eine Meinung, die ausweislich eines Aktienkurs von 8 Euro (-73 % binnen 5 Jahren) viele Aktionäre mit der Vorstandswoche teilen. Dass dieser selbsternannte Dealmaker – de facto ein Deutsche Bank-Plattmacher aus den eigenen Reihen – sich nun anschickt, die beiden angeschlagenen Häuser, die so gar nicht zusammenpassen, mit Hilfe der Berliner Politik zu einem neuen Haus zu fusionieren, grenzt schon an Unverschämtheit. Was die Deutsche benötigt sind neue Leute im Aufsichtsrat, wo neben Achleitner noch andere Vertreter sitzen, die dort ebenfalls nix zu suchen haben. Wir wissen – der Fisch stinkt vom Kopf. Einer der wenigen sympathischen Deutsch-Bänker im Vorstand, Christian Sewing, sollte sich mal schleunigst unter seinen Investoren (= Anteilseigner) geeignete und geschäftlich hilfreiche Aufsichtsräte schicken lassen. Die Fusion mit der Commerzbank zur DeuComm sehe ich nicht, denn sie macht schlicht keinen Sinn. Beide Aktien sind nur was für tradingorientierte Lumpensammler, nix für Investoren mit einem Faible für solide Bilanzen und Geschäftsmodelle.

Musterdepot 2019: Plus 7 %

Mit einem Plus von mehr als 7 % seit Jahresanfang können wir in einem herausfordernden Umfeld weitgehend zufrieden sein. Der DAX notiert seit Jahresbeginn mit 8.5 % im Plus und die Indizes MDAX und SDAX bringen es sogar auf ein Plus von jeweils mehr als 12 %. Der TecDAX bewegt sich mit über 7 % ebenfalls in positivem Terrain. Unsere Performance im Musterdepot hinkt derzeit den Indizes etwas hinterher. Dafür waren wir im Jahr 2018 immerhin mit über 5 % im Plus, während DAX & Co. bekanntlich zweistellig eingebrochen sind. Grund unserer zurückhaltenden Performance in diesem Jahr ist schlicht, dass wir mit einer derart deutlichen Erholung im DAX nicht gerechnet haben und insgesamt zu vorsichtig positioniert waren.

Das Vorstandswoche-Musterdepot achtet sehr stark auf eine solide Performance bei überschaubaren Risiken. Dennoch ist es unser Ziel, in jedem Jahr eine zweistellige Rendite einzufahren. Das ist zweifelsfrei nicht ganz einfach; aber durchaus machbar, wie Sie anhand der Performance seit 2015 leicht erkennen können. Oberste Priorität hat für uns, in keine Gewinnwarnung hineinzumarschieren oder in einen schlechten Ausblick. Im aktuellen Umfeld verhindert dies eine überproportionale Performance, da viele Unternehmen vor allem beim Ausblick ihre Aktionäre enttäuschen. Stichwort Ausblick: Zahlreiche Unternehmen haben ihre Zahlen für 2018 inzwischen veröffentlicht und einen Ausblick für 2019 gegeben. Uns missfallen zahlreiche Daten aus der Industrie, die auf ein sehr schwaches Q1 hindeuten. Das Risiko bei größeren Engagements liegt nun darin, dass viele Unternehmen auf Basis der Q1-Zahlen ihren Ausblick erneut anpassen müssen. Das wäre im DAX ganz sicher nicht eingepreist. Somit wundern wir uns auch nicht wirklich, dass sich die Indizes derzeit schwertun, weiter nach oben zu klettern.

Wir fühlen uns mit allen unseren Musterdepotwerten weitgehend wohl. Bei Consus wollen wir in eine Erholung hinein den Ausstieg versuchen. TUI schauen wir uns noch etwas an; sollte die Aktie nicht zügig drehen, werden wir hier den moderaten Verlust akzeptieren. Das größte operative Risiko sehen wir in der Entwicklung der JDC Group, die auf der Zahlenseite nicht immer prognosesicher ist. Hier spielen wir aber eine Sondersituation, da sich der Markt für JDC in einer Konsolidierung befindet. Neu im Depot ist die pferdewetten.de AG. Das Unternehmen entwickelt sich großartig und bewegt sich frei von konjunkturellen Risiken.