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Evotec will Erfolgskurs in 2020 fortsetzen

CEO Markus Braun im Gespräch


Haar, 29. April 2019 - „Ich bin gerne an der Börse“, sagte Wirecard-CEO Markus Braun bei unserem Besuch auf der Bilanzpressekonferenz in München - trotz der vergangenen Wochen, die aufgrund der Attacken der Financial Times durchaus turbulent waren. Neu sind derartige Angriffe für Braun allerdings nicht. Seit dem Jahr 2008 muss sich Wirecard immer wieder mit verschiedenen Angriffen und Vorwürfen auseinandersetzen. Bisher ist Wirecard jedoch aus diesen Situationen immer wieder gestärkt hervorgegangen.

Mit der Akquisition holt Evotec 90 Mitarbeiter an Bord, die in einer modernen Forschungs- und Produktionseinrichtung arbeiten. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um ehemalige Wissenschaftler des Biotech-Giganten Amgen. Zu den bisherigen Gesellschaftern von Just.Bio gehören unter anderem ARCH Venture, Merck & Co. sowie die Bill & Melinda Gates Foundation. Mit der Gates-Stiftung arbeitet Evotec übrigens seit Juni 2019 auch in der Behandlung von Tuberkulose zusammen. 

 

Mit Just.Bio hat Evotec gute Chancen, das eigene Wachstum nochmals zu beschleunigen. Das erfordert allerdings auch eine weitere Investition, die Lanthaler derzeit prüft. Ziel ist der Bau einer Produktionseinheit für den Herstellungsprozess für die klinische und kommerzielle Produktion von Biologika. „Es gibt nicht sehr viele Standorte auf der Welt, die dafür geeignet sind. Seattle gehört indes dazu.“ Ein solches Investment würde bei ca. 100 Mio. Dollar liegen. Bis Jahresende will sich Evotec entscheiden. Für ein derartiges Vorhaben sind immer potenzielle Partner interessant, welche die Produktion mit Leben füllen und entsprechende Aufträge verteilen respektive sich dazu verpflichten, bevor der Bau beginnt. Laut Lanthaler finden derartige Gespräche schon statt. „Wir sind nicht untätig in diese Richtung.“ Gelingt das Vorhaben, entwickelt sich Evotec in diesem Bereich in Richtung des Geschäftsmodells der schweizerischen Lonza, der von Wuxi oder Samsung Biotech. 

 

Ein Investment in diese Herstellung können die Hamburger locker stemmen. Evotec hat sich jüngst über ein Schuldscheindarlehen refinanziert und 250 Mio. Euro eingenommen. „Ich finde es großartig, dass wir uns inzwischen mit bis zu einer Laufzeit von 10 Jahren zu einem Zinssatz von weniger als 1.5 % finanzieren können“, sagt Lanthaler. Insgesamt sitzt die Firma somit auf einer Kasse von mehr als 300 Mio. Euro. Das ist erst einmal ausreichend. Da braucht es auch keine Kapitalerhöhung mehr. „Viele Banken haben sicherlich den Drang nach einer Kapitalerhöhung. Unser Drang gilt dem Shareholder-Value. Da passt eine Eigenkapitalmaßnahme nicht ganz dazu.“ Die Mittel will der CEO unter anderem auch für weitere Akquisitionen nutzen. „Wir sehen durchaus weiteres Potenzial, uns über Zukäufe und vor allem auch Equity-Beteiligungen und Bridges zu stärken.“ 

 

Es läuft bei Evotec! Die strategische Ausrichtung untermauert Lanthaler mit einer sehr starken operativen Entwicklung. Im 1. Quartal expandierten die Erlöse um 27 % auf knapp 104 Mio. Euro. Das bereinigte EBITDA schnellte um 114 % auf 30 Mio. Euro nach oben. IFRS 16-Effekte von gut 3 Mio. Euro sind enthalten. Laut dem CEO ist er auch sehr zufrieden mit der Entwicklung des 2. Quartals. Wir erwarten somit starke Halbjahreszahlen. Für das Gesamtjahr bekräftigt Lanthaler die bisherige Prognose. Der Umsatz soll organisch um ca. 10 % auf rund 400 Mio. Euro wachsen. Aus der Übernahme von Just.Bio werden in 2019 anteilig weitere 10 Mio. Euro konsolidiert. Entwickeln sich vor allem Meilensteinzahlungen weiterhin so gut wie bisher, ist eine Anhebung der Prognose drin. „Wir haben Zeit, planen sehr langfristig, wollen bei Meilensteinen nie zu viel versprechen und schauen uns die weitere Entwicklung an.“ Beim bereinigten EBITDA ist ebenfalls ein Anstieg von ca. 10 % auf über 100 Mio. Euro die Zielgröße. Effekte aus IFRS 16 werden diese Zahl noch erhöhen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden sich in 2019 auf 30 bis 40 Mio. Euro belaufen und vermutlich eher die obere Bandbreite erreichen. „Das ist die positive Nachricht. Denn mit diesen Ausgaben generieren wir den Shareholder Value von morgen“, so Lanthaler. 

 

Schon heute zeigt sich der Firmenchef für die Entwicklung in 2020 zuversichtlich. „Wir werden unseren positiven Kurs auch im nächsten Jahr fortsetzen. Da habe ich wenige Zweifel.“ Wie Sie sicherlich wissen, weil wir dies schon öfter thematisiert haben, werden ab Mai 2020 anteilig Subventionen durch Sanofi für den Standort Toulouse entfallen. Für das Gesamtjahr geht es um einen Beitrag von über 20 Mio. Euro zum Umsatz und EBITDA. Die Kapazitäten in Toulouse braucht Evotec mehr denn je. „In Toulouse haben wir inzwischen 500 Mitarbeiter.“ Evotec wird in 2020 bei Umsatz und EBITDA bereinigt um den Auslauf der Subvention weiterwachsen. Vermutlich sogar inklusive des Effekts. „Wir arbeiten daran. Es ist in jedem Fall ein schönes Ziel und wenn wir dies entsprechend im Jahr 1 schon ausgleichen können, ist das eine tolle Leistung.“ Trotz des Auslaufens der Subvention werden sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in 2020 auf ca. 50 Mio. Euro erhöhen. „Das sollte keinen Investor abschrecken. Es ist positiv, wenn wir dafür mehr ausgeben. Ohne die Ausgaben in Forschung und Entwicklung der letzten Jahre würde Evotec heute nicht so gut dastehen“, ergänzt der Firmenchef. 

 

Vorstandwoche-Dauerfavorit Evotec ist insbesondere bei marktbedingten Kursschwächen weiter kaufenswert. Die Erfolgsstory wird sich fortsetzen.